Studienreise nach Washington, D.C.

von Manfred Groß

Zum festen Bestandteil der internationalen Aktivitäten der Hochschule zählt seit 2014 das Summer Symposium on U.S. Foreign Policy in Washington D.C. In Zusammenarbeit mit dem Osgood Center for international studies und der Professur für Internationale Politik und transatlantische Beziehungen der Universität Regensburg nahmen vom 31. Juli bis 10. August sechs Studierende der HAM teil.

Im Weißen Haus herrscht Chaos. Kaum ist der neue Stabschef John Kelly im Amt, überzeugt er Donald Trump, seinen erst seit zehn Tagen tätigen Kommunikationsdirektor Anthony Scaramucci zu entlassen. Diese breaking news platzt in die erste Sitzung unserer Gesprächsrunde mit Shane Harris, einem leitenden Journalisten des Wall Street Journals. Im Tagungsraum in der Elliot School of International Affairs der George Washington University wird gemurmelt, die Studierenden aus den USA, Deutschland, Österreich, Singapur und Jordanien können es ebenso kaum fassen wie Shelton Williams, der Präsident des Osgood Centers. Auch Harris selbst ist vom scoop der konkurrierenden New York Times überrascht. Diese Anekdote wirft ein Schlaglicht auf die nebulöse politische Lage in Washington – und Studierende der HAM sind mitten drin.

Mitten drin, das heißt: Sie sind Teilnehmende des Summer Symposium on U.S. Foreign Policy. Ziel des Symposiums ist es, Studierenden aus aller Welt amerikanische Außenpolitik näher zu bringen. Dazu sprachen wir mit bekannten Journalisten wie Harris oder dem ehemaligen Herausgeber des Fachmagazins Foreign Policy, David Rothkopf. Der Iranexperte Trita Parsi, dessen neues Buch zum Iranabkommen gerade veröffentlicht wurde und inside the beltway hohe Wellen schlägt, erklärt uns, warum das Abkommen als Erfolg der Außenpolitik Barack Obamas zu werten und weshalb es durch die Außenpolitik Trumps gefährdet ist. Bei dem nach den Prinzipien des experiental learning organisierten Symposium erleben die Studierenden Politik in Echtzeit, können direkt mit Akteuren, Beratern und Wissenschaftlern sprechen. Der George Washington-Professor Robert Sutter gibt uns einen Überblick über die amerikanisch-chinesischen Beziehungen seit der Öffnung Chinas durch Richard Nixon und Henry Kissinger. Sicherheitspolitisch werde Trump nicht nachgeben gegenüber seinem chinesischen Pendent Xi Jinping, handelspolitisch ist aber noch alles offen, denn Trump hat im Wahlkampf vor allem Obamas Handels- und Industriepolitik gegenüber China ins Visier genommen. Punkto Menschenrechte verstehen sich Xi und Trump ohnehin, weil im Gegensatz zu seinen Amtsvorgängern Trump darauf kein besonderes Augenmerk legt.

Trumps fire and fury-Bemerkung zum nordkoreanischen Atomwaffenprogramm hält das Symposium in Atem. Bemerkenswert ist, wie sachlich und nüchtern abwägend uns alle außenpolitischen Handlungsoptionen von den Politik-Insidern in Washington präsentiert werden. An einen irrationalen, aus der Hüfte schießenden Trump glaubt kaum jemand, auch wenn man sich bei Trump, der täglich seine engsten Berater mit dubiosen Tweets vor den Kopf stößt, nie ganz sicher sein kann. Anders Michael O’Hanlon, Forschungsdirektor bei der Brookings Institution: Er hält fest, dass Trump mit seinem sicherheitspolitischen Team eine vernünftige Wahl getroffen hat – man denke dabei an den Nationalen Sicherheitsberater H.R. McMaster oder dem neuen Chief of Staff Kelly. Diese und weitere Personen vertreten eine gemäßigte Außenpolitik und bisher hat Trump vor allem viel Lärm gemacht aber keine radikalen sicherheitspolitischen Entscheide getroffen.

Termine im Außenministerium und in vier Botschaften, darunter der Deutschen Botschaft, komplettieren das Programm und bereichern es um weitere Perspektiven auf die amerikanische Außenpolitik. So erfährt unsere Gruppe im Gespräch mit der Leiterin der politischen Abteilung der Deutschen Botschaft, Helga Barth, was es heißt, hochrangige Diplomatin in Washington zu sein. Neben Beziehungspflege auf dem hill und im State Department bedeutet dies, deutsche Politik in den Vereinigten Staaten zu erklären sowie amerikanische Politik für das Auswärtige Amt in Berlin zu analyiseren. Uns wird bewusst, wie stark die Berichte der Botschaft die Perzeption der USA bei deutschen Spitzenpolitikern beeinflusst.

Trotz eines vollen Terminkalenders blieb Zeit, das multikulturelle, kulinarische und sportliche Washington zu erkunden. Ein fakultatives Freizeitprogramm wie der Besuch der Sunset Parade am Iwo Jima Memorial im Arlington Cemetery, die Fahrt zu einem Baseballspiel oder ein Burger bei Johnny Rockets im Stadtteil Georgetown ließen uns amerikanische Kultur erleben und bildete einen Kontrast zu den ernsten Debatten um die Gegenwart und Zukunft amerikanischer Außenpolitik.

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