„Womit verdienen Huskys eigentlich im Sommer ihr Geld?!“ – Interview mit HAM-Student & Gründer von Ants in Pants-Tours Michael Ballas

Eine Idee haben, dieser Vision folgen & den Traum verwirklichen: HAM-Student Michael Ballas hat sein eigenes Unternehmen gegründet! Mit Ants in Pants-Tours hat er ein innovatives und modernes Reiseunternehmen für all Diejenigen gegründet, die auch Ameisen in der Hose haben! Michael schmiss seinen Bürojob hin, um den Master in Sportmanagement mit Schwerpunkt Eventmanagement am Adventure Campus Treuchtlingen zu absolvieren. Jetzt steckt er nicht nur mitten in seiner Masterarbeit, sondern geht nun im zweiten Sommer mit seinen Outdoor-/Aktivitätstouren an den Start. Michael und seine Crew bieten den Teilnehmern nicht nur Husky-Touren, Kanufahrten & Wanderungen bis an den Polarkreis, sondern auch der Komfort kommt nicht zu kurz. Schließlich soll man nicht das Gefühl haben, einen „Urlaub danach“ vom Urlaub zu brauchen.

[© Photocredit: Monnier Ostermair]

Wir haben uns mit dem Gründer Michael unterhalten und haben dabei Fernweh bekommen. Erfahrt in diesem Interview, wie ihm das Studium an der HAM bei seiner Gründung geholfen hat, Beispiele aus seiner Praxis & was es mit dem Sechsklang der Zufriedenheit auf sich hat.

Hey Michael, sag mal: Ants In Pants-Tours: Mega guter Name, aber welche Hosen tragen Ameisen denn am liebsten? 😉

Am liebsten tragen sie gar keine. Gründe dafür sind, dass sie einerseits ihre Freiheit genießen wollen und andererseits sehr wirtschaftlich denken: Denn wenn man keine Hose dreckig macht, muss man sie auch nicht waschen! Der Nachteil ist jedoch, dass sie dadurch von ihrer täglichen Arbeit sehr abgelenkt werden. Daher befehlen die meisten Ameisenköniginnen, dass ihre Ameisen weiße Shorts mit roten Herzen tragen müssen. Diese sind zusätzlich gut sichtbar, wodurch es im schattigen Ameisenbau zu weniger Unfällen aufgrund von Kollisionen kommt.

Du hast dein eigenes Unternehmen aufgezogen. Hut ab! Wie kam es dazu?

Aus betriebswirtschaftlicher Sicht ausgedrückt: Ich hatte ein Bedürfnis, einen Bedarf, sowie eine Nachfrage. Aber es gab kein passendes Angebot dazu…

Das bedeutet im Klartext: In meinem bisherigen, gut bezahlten, jedoch arbeitsintensiven und eher monotonem Bürojob, suchte ich in meiner Freizeit die Flucht vor dem Alltag in der Natur. Als Ausgleich habe ich folglich Outdooraktivitäten wie Wandertouren oder Mountainbiken unternommen. Für mich waren bei den Touren aber nie Höhenmeter oder Distanz wichtig, sondern ich wollte mich einfach nur ein bisschen bewegen, die Landschaft genießen und abends gut Essen gehen und bequem schlafen. Leider konnte ich für meine Ansprüche keine Angebote finden, die mir gefielen, da diese entweder zu extrem oder zu altbacken waren. Also habe ich mich entschlossen, selbst etwas zu entwickeln, da ich der Meinung war, dass andere evtl. auch dieses Bedürfnis haben.

Du hast also deinen gut bezahlten Job aufgegeben, um deiner Idee und deinem Herzen zu folgen?

Ja, es war ein sehr schwerer Schritt, allein schon aus finanzieller Sicht. Denn ich hatte ja bereits einen gewissen Lebensstandard, den ich aufgeben musste. Auch habe ich mit einigen Hürden und Rückschlägen gerechnet, wodurch das ganze Projekt in die Hose hätte gehen könnte.

Wie kamst du drauf, nach deinem BWL-Bachelor in Industriemanagement den Master in Sportmanagement an der HAM in Treuchtlingen zu machen?

Ich war ja nicht blauäugig und wusste, dass mir einige Voraussetzungen in Bezug auf Kompetenzen und Fähigkeiten in der Outdoor- bzw. Tourismusbranche fehlen, die ich dazu brauchte. Auch bin ich ein Fan davon, mir theoretische Kenntnisse anzueignen und diese dann in die Praxis umzusetzen (bzw. festzustellen, dass sie in der Praxis nicht so angewendet werden können). Daher habe ich nach einem Master gesucht, der diese Bereiche abdeckt und bei dem ich nicht Vollzeit gebunden bin. Das semi-virtuelle Konzept hat mich überzeugt, zumal ich dazu auch parallel, auf eigene Faust, die Ausbildung als zert. Trekkingguide, sowie das Diploma in Erlebnispädagogik durchführen konnte.

Welche Tools vom Studium konntest Du für dein jetziges Unternehmen übernehmen?

Viel gebracht haben mir in den ersten Semestern die Studienarbeiten, die ich immer versucht habe für mich nützlich zu machen. Denn, was ich noch nicht gesagt habe: Zu Beginn und auch während des Studiums, wusste ich noch nicht, was ich überhaupt bzw. wo ich etwas anbieten wollte. Mir war nur klar, dass ich irgendetwas in diese Richtung machen will. Anhand bestimmter Studienarbeiten und des theoretischen Inputs durch die Vorlesungen konnte ich so immer näher zum Ziel kommen.

Hast Du ein paar Beispiele aus Deiner Praxis für uns?

Beispielsweise habe ich in Studienarbeiten über Standortanalysen, Wettbewerbsanalysen und Marktanalysen geschrieben. Durch diese konnte ich einiges herausfinden. So habe ich festgestellt, dass Lappland im Sommer grundsätzlich ein attraktives Reiseland ist, das aber noch nicht von vielen Anbietern genutzt wird. Im Winter schon, aber nicht im Sommer… Und dann habe ich mir die Frage gestellt: „Womit verdienen Huskys eigentlich im Sommer ihr Geld?!“

[© Photocredit: Monnier Ostermair]

Wenn man die Fotos und Videos auf deiner Homepage sieht, dann will man sofort mit nach Schweden reisen! Was glaubst du macht Schweden so ideal für deine Touren?

Schweden an sich bzw. Südschweden ist nicht ideal für meine Touren, da das ein Land ist, wo viele selbst hinfahren und alles allein organisieren. Nordschweden hingegen schon:

  1. Die Erreichbarkeit ist mit dem Auto sehr anstrengend und langwierig, d.h. die Gäste fliegen nach Schweden und sind dort aber nicht mobil. Die Miete von Wohnmobilen oder Autos ist sehr teuer.
  2. Es gibt konkret bei meinem Kooperationspartner in Schweden eine vorhandene Infrastruktur wie z.B. Blockhütten und Unterkünfte, die im Sommer zur Verfügung stehen, da sie bisher nicht genutzt werden.
  3. Am Standort selbst stehen alle Möglichkeiten der Aktivitäten direkt vor der Nase zur Verfügung. Aber ohne einen Guide ist das sehr gefährlich, da es z.B. keine Wanderwege o.Ä. gibt und man schnell verloren gehen kann.
  4. Die Natur im Sommer in Schweden wird als die letzte Wildnis Europas beschrieben. Man kann die unendliche Weite bei milden Temperaturen genießen.
  5. Die Gäste sind auf eine Organisation und einen Guide angewiesen, da sie das auf eigenen Faust nicht organisieren können.

Deine Touren basieren auf dem Sechsklang der Zufriedenheit. Du stellst dir die Frage: „Wann ist ein Mensch glücklich?“ Glaubst du, dass dieser Ansatz dem jetzigen Zeitgeist entspricht und Zukunft hat?

Der „Sechsklang der Zufriedenheit“ ist keine bisherig empirisch belegte Studie, sondern ein Konzept, das ich mir ausgedacht habe und wovon ich auch überzeugt bin. Ich behaupte, dass durch den Sechsklang von gesunder Ernährung, ausreichend Bewegung, dem Bewusstsein für die Natur, Stressregulierung, Spaß und dem Umgang in netter Gesellschaft ein zufriedeneres Leben erreicht wird. Grundsätzlich bin ich aber daran interessiert, herauszufinden, ob diese Aussage auch verifiziert oder falsifiziert werden kann. Das wäre mal ein spannendes Thema für z.B. eine Bachelorarbeit im Psychologie-Studium…

Ich persönlich denke, er entspricht dem jetzigen Zeitgeist. Die Verringerung der Lebensarbeitszeit bei einem höheren Einkommen bietet rein praktisch schon mehr Möglichkeiten für Freizeit. Da aber die Zufriedenheit am Arbeitsplatz dadurch nicht unbedingt erhöht werden muss, sehnen sich viele nach einer sinnvollen Gestaltung der Freizeit. Sie versuchen in Ihrer Freizeit vom Alltag zu fliehen und Ihre Erlebnisse, Zufriedenheit und Genugtuung woanders zu finden. Auch spielt das steigende Singledasein eine Rolle, in der viele die Freiheiten als Single zwar genießen, aber bestimmte Erlebnisse auch mit Gleichgesinnten teilen wollen. Als letzter Grund dafür, dass es dem jetzigen Zeitgeist entspricht, ist die Reiseerfahrung vieler Deutscher und die damit gestiegenen Qualitätsansprüche, wie z.B. gutes und gesundes Essen, eine komfortable Unterkunft, etc. 

Welche Ratschläge würdest du anderen HAM-Studierenden geben, die ebenfalls gründen wollen?

Sie sollen versuchen, so viel wie möglich aus dem Studium herauszuholen, um es für die Praxis nutzen zu können. Das bietet sich z.B. bei Studienarbeiten an, die sie an ihrem Thema orientieren können. Außerdem ist ein gutes Konzept und eine detaillierte Planung entscheidend. Dazu eignet sich ein Businessplan, der bei mir im Studium auch ausgiebig behandelt wurde. Des Weiteren ist Durchhaltevermögen gefragt, denn es werden ganz viele Hürden und Rückschläge kommen, aber diese müssen sie überwinden. Und zu guter Letzt als Rat: Ein Studium allein ist nicht ausreichend, sondern Praxiserfahrungen sind ebenfalls sehr wichtig.

[© Photocredit: Monnier Ostermair]

Du suchst aktuell eine/n Praktikant/in, der/die dich in Schweden begleitet. Was erwartet ihn/sie dort?

In erster Linie Arbeit. Ich will keinen Praktikanten haben, der denkt, er kann drei Monate lang relaxen. Aber dieser wird beim Praktikum auch feststellen, dass Arbeit sehr angenehm und zufriedenstellend sein kann. Vor allem in der Natur Lapplands, mit viel Bewegung und dem Einblick in die Tätigkeiten eines Reiseveranstalters. Gerade für Studenten, die später einmal in diesem Bereich arbeiten wollen, ist das Praktikum mit Sicherheit eine sehr gute Erfahrung.

Konkret erwartet ihn erst einmal eine mehrtägige Ausbildung als Outdoor Instructor im Schwarzwald, sowie eine Einweisung in die Touren vor Ort in Schweden. Im Anschluss ist er im Wechsel jeweils eine Woche als Co-Guide mit mir bei der Gästebetreuung unterwegs und je eine Woche an der Basisstation für die Verpflegung und Logistik verantwortlich.

Und zum Schluss: Was sind deine ultimativen Tourhighlights in Schweden?

Für mich gab es letztes Jahr zwei Tourhighlights. Das erste ist das Huskytrekking, das ich bis dato noch nie gemacht habe bzw. bis dato hatte ich gar keinen Kontakt zu Hunden. Ich war immer schon ein Katzenmensch und konnte mit Hunden nichts anfangen, bin ihnen sogar aus dem Weg gegangen. Doch dann habe ich mich überwunden, diesen speziellen Hüftgurt samt Hunde umzuschnallen und mit dem Husky die Trekking Tour zu gehen. Böse Zungen behaupten zwar, dass der Hund mit mir die Tour gegangen ist, aber ich konnte mich am Ende echt mit ihm anfreunden. Weitere Highlights waren der Polarkreis und die Polarlichter. Grundsätzlich handelt es sich beim Polarkreis zwar nur um einen weißen Strich auf dem Boden, aber irgendwie war die Tatsache, sich genau auf dem Polarkreis zu befinden, echt eine coole Erfahrung. Bei den Polarlichtern auch: Eigentlich sind das nur ein paar farbige Wolken am Nachthimmel, aber irgendwie war das ein echt beeindruckendes Erlebnis.

Lieber Michael, wir wünschen Dir viel Erfolg mit Deinem Unternehmen & die schönsten Erlebnisse in Schweden.

Falls ihr jetzt auch Lust auf Lappland bekommen habt, dann bucht doch eine Tour oder bewerbt euch für ein Praktikum bei Michael!

Zum Studiengang: Bachelor / Master Sportmanagement

Zum Studienort: Adventure Campus Treuchtlingen

Zur Homepage: www.antsinpants-tours.de

Zur Praktikumsstelle: Praktikant/in gesucht!

[© Photocredit: Monnier Ostermair]

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